Mutter*tag 2026

Forderungen und Gedanken zum so genannten „Muttertag“

Sorgearbeit: Die unsichtbare Last

Stell dir vor, du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause – und der zweite Job beginnt: Einkaufen, Kochen, Kinderbetreuung, Haushalt, emotionale Unterstützung. Für viele FLINTAs (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-Binär, Trans, Agender) in Deutschland ist das Alltag. Im Schnitt leisten sie 50 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als cis Männer. (Mütter* tragen dabei die größte Last:) Sie organisieren, trösten, putzen, denken an alles – und das oft neben ihrer Lohnarbeit. Die COVID-19-Pandemie, der Rechtsruck und die aktuellen politischen Sparmaßnahmen sowie Kürzungen bei Sozialausgaben haben diese Schieflage noch verschärft und verschärfen sie weiterhin.

Ein Tag im Jahr reicht nicht

Am so genannten Muttertag stehen diese Leistungen angeblich im Mittelpunkt, bedankt für ein Jahr harte Arbeit wird sich mit Blumen, Kuchen oder einem Anruf. Dabei wird vermittelt: Sorgearbeit sei ein „natürlicher Ausdruck von Liebe“ und keine Arbeit. Außerdem wird die derzeitige Verteilung damit als unveränderbar zementiert – Aufbegehren und Wut finden keinen Platz. Doch: Sorgearbeit ist anstrengend, erschöpfend, nicht immer freiwillig – und oft unsichtbar und unterbewertet. Denn sie findet im Privaten statt.

Mehr als ein Klischee

Der Muttertag vermittelt oft ein veraltetes Bild: Die Mutter* als selbstlose Betreuerin, deren Platz im Privaten ist. Doch die Lebensrealität vieler Familien sieht anders aus. Die Ignoranz gegenüber dieser Ungleichheit ist kein Kavaliersdelikt – sie perpetuiert ein System, das Sorgearbeit unsichtbar macht. Dabei wird verkannt, was sie ist: ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems.

Deshalb fordern wir #stattRosen:

1. Sorgearbeit als gesellschaftliche Aufgabe begreifen

Reproduktionsarbeit darf nicht länger allein auf den Schultern von Einzelnen oder Familien lasten. Sie ist eine gemeinsame Verantwortung – und muss als solche organisiert werden. Nur so können alle, die Sorgearbeit leisten, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

2. Care-Arbeit sichtbar machen und wertschätzen

Es braucht mehr Bewusstsein für die zentrale Bedeutung von Sorgearbeit – und für die Ungerechtigkeit ihrer Verteilung. Denn wer sich um andere kümmert, hält unsere Gesellschaft am Laufen.

3. Strukturelle Benachteiligungen abbauen – konkret!

Politik und Wirtschaft müssen handeln:

  • Solidarische Familienpolitik, die Care-Arbeit gerecht verteilt.
  • Flexiblere Arbeitszeitmodelle, die Vereinbarkeit ermöglichen.
  • Ausbau von Kinderbetreuung und Wertschätzung von Care- und Pflege-Berufen – mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen.
  • Mehr politische Teilhabe für Eltern und Kinder.
  • Bezahlbare Wohnungen für alle, denn nur so lässt sich Familie und gemeinschaftliche Verantwortung in der Realität umsetzen.
  • Politische und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen, die Pflege benötigen, und denen, die pflegen, muss gesichert werden! hierzu gehört auch, dass genügend Geld zum Leben und für ein funktionierendes Care-System eingeplant wird, z.B. für Schulbegleiter*innen, persönliche Assistent*innen, Pädagog*innen, Pfleger*innen.


4. Keine Wehrpflicht

Kein Kind der Welt soll im Krieg kämpfen oder Krieg erleben müssen! Wir wollen unsere Kinder nicht verlieren. Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereich stoppen und das Sondervermögen für die Bundeswehr für eine verlässliche Finanzierung zur Teilhabe nutzen.

5. Rollenbilder und Familienformem hinterfragen und erweitern

Stereotype Vorstellungen von „Mutterschaft“ oder „Vaterschaft“ gehören abgeschafft. Neue Modelle von Elternschaft und Partner*innenschaft etablieren – ob Patchwork, Soloeltern, Regenbogenfamilie, Co-Parenting oder Alleinerziehende.

6. Geflüchtete Personen schützen und unterstützen!

Familien sollen in Sicherheit und gemeinsam an einem Ort ihrer Wahl leben dürfen.

Familiennachzug wieder einführen!

7. Queere Menschen schützen

Wir brauchen Antidiskriminierungsstellen, queere Jugendzentren, diversitätsspezifische Bildungsarbeit und Schutz für alle queeren Orte.